meistro Newsletter 01/2017

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Energiemarkt

EU hofft auf Revolution sauberer Energien

Die UN-Klimaziele der Weltklimakonferenz 2015 in Paris sind ambitioniert – ebenso wie das „Winterpaket“ der EU-Kommission, um den europäischen Energiemarkt auf die nächsten Jahrzehnte vorzubereiten. Auf über 1.000 Seiten hat die Kommission Vorschläge veröffentlicht, die sowohl Energieeinsparungen vorsehen und gleichzeitig europäische Verbraucher stärken sollen. Mithilfe von Klimaschutzregeln und hohen Investitionen will die Europäische Union sowohl die Klimaziele erreichen und gleichzeitig 900.000 Arbeitsplätze schaffen.
 
Die einzelnen Klimaschutzmaßnahmen erstrecken sich dabei von Gebäudesanierungen und Vorgaben bis hin zum Ökodesign neuer Elektrogeräte. Ebenso wie bisher sollen Energieversorger dazu angehalten sein, jährlich rund 1,5 Prozent ihrer Energie einzusparen. Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2030 auf 27 Prozent steigen, beim Strom liegt die Zielmarke sogar bei 50 Prozent.
 
Das Besondere an den Vorschlägen ist das Vertrauen in die Marktmechanismen und die Stärkung der Verbraucherrechte. So sollen zum Beispiel die Abnahmegarantien für Ökostrom eingeschränkt und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Netzbetreibern vereinfacht werden. Die Idee dahinter: Ein stärkerer Wettbewerb führt zum Sinken der Preise und entlastet somit die Verbraucher. Diese sollen zukünftig einfach den Stromanbieter wechseln und selbst erzeugten Strom aus Solarenergie besser nutzen beziehungsweise vermarkten können.
 
Umweltverbände befürchten, dass durch die neuen Regeln die deutsche Energiewende behindert wird. Vertreter der Industrie befürworten hingegen eine EU-weite Energiepolitik, um nationale Alleingänge zu verhindern. Inwiefern die Vorschläge der Kommission tatsächlich umgesetzt werden, wird sich noch zeigen, denn das EU-Parlament und die Nationalstaaten müssen das Paket erst absegnen, bevor es in Kraft treten kann. Laut Experten könnte das frühestens 2020 der Fall sein.