meistro Newsletter 03/2015

Energieaudits werden für große Unternehmen verpflichtend © Coloures-pic / fotolia.de

Energiemarkt

Energieaudits werden für viele Unternehmen verpflichtend

Anfang Februar hat der deutsche Bundestag eine Veränderung des EDL-G beschlossen, der am 6. März auch vom Bundesrat zugestimmt wurde und die nun zeitnah in Kraft treten wird: Das EDL-G verpflichtet dann alle Unternehmen, die nicht unter die EU-Definition für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) fallen, erstmalig bis zum 5. Dezember und anschließend regelmäßig Energieaudits durchzuführen. Mit dem Gesetz wird die Europäische Energieeffizienz-Richtlinie, die den Energieverbrauch in der gesamten EU verringern soll, in nationales Recht umgesetzt. Der Begriff Energieaudit steht für ein systematisches Verfahren zur Erlangung ausreichender Informationen über das bestehende Energieverbrauchsprofil eines Gebäudes, Betriebsablaufs oder einer industriellen oder gewerblichen Anlage in der Industrie oder im Gewerbe, das der Ermittlung und Quantifizierung für kostenwirksame Energieeinsparungen dient und die Ergebnisse in einem Bericht zusammenfasst.

Betroffen von der Gesetzesänderung sind alle Unternehmen, die über 249 Beschäftigte haben und einen Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro erwirtschaften oder eine Bilanzsumme von mehr als 43 Millionen Euro aufweisen. Als Unternehmen gilt dabei jede Einheit, unabhängig von ihrer Rechtsform, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt, also auch der Einzelhandel, Banken, Versicherungen oder Kliniken. Bei der Bestimmung der individuellen Voraussetzungen müssen gegebenenfalls auch anteilige oder sogar alle Werte von Partnerunternehmen oder verbundenen Unternehmen hinzugerechnet werden. Der TÜV Rheinland schätzt, dass insgesamt etwa 55.000 Unternehmen von den neuen Anforderungen betroffen sind.

Die erstmalige Pflicht zur Durchführung gilt als erfüllt, wenn zwischen dem 4. Dezember 2012 und dem 5. Dezember 2015 ein Energieaudit durchgeführt, in diesem Zeitraum ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS eingerichtet wurde. Unternehmen, die sich für die Einführung eines solchen Energie- oder Umweltmanagementsystems entscheiden, genügt ein Nachweis über die Einrichtung bis zum 31. Dezember 2016.

Die Energieaudits müssen mindestens 90 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs erfassen, auf aktuell gemessenen und belegbaren Energieverbrauchsdaten sowie Lastprofilen basieren und den Energieverbrauch von Gebäuden, Anlagen und Betriebsabläufen einschließen. So sollen die Audits ein möglichst zuverlässiges Bild der Gesamtenergieeffizienz ergeben, um daraus detaillierte Verbesserungsmöglichkeiten mit klaren Informationen zur Einsparung ableiten zu können. Durchgeführt werden die Energieaudits durch qualifizierte unabhängige Experten, die bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), gelistet sind und nachweislich über die entsprechenden Fachkenntnisse verfügen. Das BAFA hat bereits angekündigt, in stichprobenartigen Kontrollen zu überprüfen, ob Unternehmen ihren Nachweisverpflichtungen nachgekommen sind.

Auch wenn KMU von der Verpflichtung ausgenommen bleiben, bieten sich auch für sie große Potenziale durch die sinnvollen Energieaudits („Energie Transparent“ berichtete bereits im November 2014 ausführlich dazu). Das Bundessministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bietet speziell für KMU verschiedene Maßnahmen an, mit denen sie die eingekaufte Energie noch besser nutzen können. Mit dem Programm „Energieberatung im Mittelstand“ werden beispielweise gezielt Energieaudits für Mittelständler gefördert.

<link www.bafa.de/bafa/de/energie/energie_audit/index.html >Weitere Informationen</link>