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meistro Newsletter 08/2016

© Heinrich Linse / pixelio.de

Energiemarkt

Verbraucherstudie: Bei kommunalen Stromanbietern profitieren häufig externe Anbieter

Seit der Liberalisierung des Strommarkts vor knapp zwanzig Jahren haben zahlreiche neue Stromanbieter den Markt betreten, darunter auch einige neugegründete Stadtwerke. Von den Verbrauchern werden diese kommunalen Stromversorger gut angenommen – versprechen sie doch, die eigene Region zu stärken. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat sich die in NRW agierenden neuen Anbieter (Markteintritt ab 2006) genauer angesehen und dabei festgestellt, dass das Geld der Kunden oft gar nicht so kommunal angelegt ist, wie diese dachten.
 
Von den 38 Stadtwerken, die in den letzten zehn Jahren in NRW neu gegründet wurden, sind gerade einmal drei zu hundert Prozent im Besitz der jeweiligen Kommune. Vierzig Prozent der angeblich kommunalen Anbieter haben tatsächlich einen Energieriesen an Bord: In vielen Fällen ist das RWE oder auch die Gelsenwasser AG. Die Anteile der „Großen“ liegen nicht selten bei 45 oder sogar 50 Prozent.
 
Energiekonzerne wie RWE, Eon oder EnBW kaufen sich unter anderem bei den örtlichen Anbietern ein, um die Gruppe der preisbewussten Ökostromkunden an sich zu binden. Bei einem Viertel der von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen untersuchten Stadtwerke war der günstigste Tarif ein Ökostromtarif, der sogar noch unter dem günstigsten Angebot des örtlichen Grundversorgers – oftmals RWE – lag. Dass das Geld der Kunden zu einem großen Teil an einen Energieriesen fließt, wird nur bei der Hälfte der untersuchten Stadtwerke auf der Website umfangreich offengelegt. Neun Anbieter geben ihre Gesellschafterstruktur auf ihrer Homepage gar nicht preis.