meistro Newsletter 05/2016

© Joerg Trampert / pixelio.de

Energiemarkt

Das Ende der Kohle?

Anders als noch vor wenigen Jahren erwirtschaften Braunkohlekraftwerke keine nachhaltigen Gewinne mehr. Mit 2,2 Cent pro Kilowattstunde liegt der Preis für Strom aus Kohle langfristig unter den 2,5 Cent, die als absolutes Minimum gelten, um eine schwarze Null zu erwirtschaften. Hinzu kommen die ungünstigen Kohlendioxid-Werte des Kohlestroms. Eine aktuelle Analyse der britischen Barclays-Bank prognostiziert das Aus fast aller deutschen Braunkohlekraftwerke bis 2030 – sofern die Bundesregierung bei ihren Klimaschutzzielen bleibt.
 
Vattenfall hat bereits reagiert und seine deutsche Braunkohlesparte verkauft, wobei der schwedische Staatskonzern den Käufern der vier Kraftwerke und fünf Tagebaue in Ostdeutschland sogar noch 1,6 Milliarden Euro an Barmitteln dazugab. Nach jetzigen Prognosen bleibt vom früheren Wert der Anlagen – noch vor kurzem wurde geschätzt, dass die Anlagen bis zu drei Millionen Euro erzielen könnten – nichts übrig, statt dessen sind sie mit milliardenschweren Renaturierungsverpflichtungen belastet.
 
Auch in anderen europäischen Ländern zeigt sich: Der Trend geht zum Kohleausstieg, unter anderem Großbritannien, Dänemark und Finnland haben ihre Abkehr von der Kohle bereits offiziell gemacht. Leidglich die Türkei plant neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 65.000 Megawatt. Die globale Entwicklung hängt vor allem von China und Indien ab, den zwei größten Kohleimporteuren der Welt. Der chinesische hat allerdings seit 2014 spürbar nachgelassen und Experten schätzen, dass auch in Indien die Importe einbrechen könnten. Das Land will stärker auf selbst produzierten Solarstrom setzen.