meistro Newsletter 04/2016

Energiemarkt

EU-Kommission will nationale Alleingänge bei Kapazitätsmärkten verhindern

Weil mehrere EU-Staaten angesichts des zunehmenden Anteils an grünem Strom nationale Kapazitätsreserven einplanen, soll eine neue EU-Regelung Alleingänge bald verhindern: „In vielen Fällen folgen die Pläne der Mitgliedsstaaten rein nationaler Logik“, sagte EU-Energiekommissar Arias Cañete auf der Konferenz der europäischen Strommarktregulatoren in Florenz. Damit verletzen sie die grundlegenden Prinzipien des Energiebinnenmarkts, nach denen Strom frei dorthin fließen soll, wo er am meisten gebraucht werde, erklärte er. Cañete betonte auch die Risiken der nationalen Lösungen, denn diese seien nicht nur kostspielig, sondern verzerrten auch den Strommarkt und durchkreuzten den Abbau von Subventionen für umweltschädliche Energieträger.
 
Der EU-Kommissar wolle allenfalls grenzüberschreitend verfügbare Kapazitätsreserven erlauben. Diese Reserven müssten dann jedoch nach einem einheitlichen Bewertungssystem dimensioniert werden, um die Strompreise nicht zu belasten, so Cañete. Parallel zu dem grenzüberschreitenden Stromhandel wolle die EU einen europaweiten Intraday-Handel – das sind Wertpapierhandel die innerhalb eines Handelstages stattfinden – einführen, um kurzfristige Versorgungslücken zu vermeiden. Aus dem EU-Haushalt plant Brüssel demnach verstärkt Kuppelstellen finanzieren, um grenzüberschreitende Transportkapazitäten auszuweiten und den Ausbau des europäischen Stromnetzes zu fördern.
 
In Deutschland bestehen auch Forderungen aus Politik und Wirtschaft, nach dem Ausstieg aus der Atomenergie Kohlekraftwerke als Reserve vorzuhalten. Die Bundesregierung hat diese Pläne nach Widerstand aus Brüssel jedoch vorerst zurückgestellt. Anders ist es hingegen in Belgien, wo bereits die Einführung einer strategischen Reserve beschlossen wurde. In Frankreich hat die EU-Wettbewerbskommissarin gegen die Pläne des nationalen Kapazitätsmarkts im November 2015 eine Untersuchung eröffnet, da die Benachteiligung ausländischer Wettbewerber befürchtet werde.