meistro Newsletter 10/2015

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Energieeffizienz

Der VW-Skandal könnte Elektroautos einen Schub geben

Der Abgasskandal beim Automobilhersteller VW hat deutlich gezeigt, wie schädlich Dieselmotoren für die Umwelt tatsächlich sind. Als Reaktion darauf pochen Vertreter aus der Politik und Experten der Automobilindustrie nun auf eine verstärkte Förderung für Elektroautos. Nur mit einem schnellen Ausbau der Elektromobilität sei eine Veränderung zu schaffen, so der Tenor.
 
Einig sind sich die derzeit in den Medien auftauchenden Kommentatoren, dass die Krise vor allem auch eine Chance dafür ist, die Elektromobilität voranzutreibend und auf alternative Antriebe, also Hybrid- oder Elektroautos zu setzen. Laut dem Autoexperten Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, ist der Diesel auch aus Klimaschutz-Gründen kurzfristig nicht zu ersetzen, da er bis zu 25 Prozent weniger CO2 ausstoße als ein Benziner. Die Autoindustrie müsse sich aber fragen, ob eine Weiterentwicklung des Dieselantriebs noch sinnvoll sei. Vielmehr müsse der Skandal als Initialzündung für eine Neuorientierung dienen. Die wichtigsten Voraussetzungen: Die Weiterentwicklung der Batterietechnik in Deutschland und der Aufbau einer Schnellladeinfrastruktur für Elektroautos.
 
Auch die Politik sieht das ähnlich, tut aber noch zu wenig, um die eigenen sehr hoch gesteckten Ziele zu erreichen. So hatte die Bundesregierung beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen. Rein elektrisch betriebene Fahrzeuge gibt es allerdings nur wenige in Deutschland, etwas weniger als 20.000 betrug die Anzahl der Fahrzeuge im Jahr 2014. Selbst wenn man die Hybrid-Fahrzeuge hinzurechnet, kommt man gerade mal auf rund 130.000 Fahrzeuge. Auch 2015 kamen in den ersten drei Quartalen nur rund 7.500 elektrische Fahrzeuge hinzu. Allerdings: Im September waren es knapp 1.000 Fahrzeuge, was einer Steigerung von knapp 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht.
 
Der VW-Effekt ist in den Absatzzahlen also erkennbar, selbst wenn noch wesentlich mehr passieren müsste, um die Millionenmarke innerhalb der nächsten fünf Jahre noch zu knacken. Dennoch sollte sich die Bundesregierung hier jetzt einsetzen und schnell reagieren, indem sie endlich zusätzliche Anreize für die Neuanschaffung von Elektroautos schafft, zum Beispiel kostenlose Parkplätze oder die Erlaubnis, die Busspur nutzen zu dürfen. Norwegen stellt den Besitzern von Elektroautos sogar kostenlosen Strom zur Verfügung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, dass eine Entscheidung darüber bis Ende des Jahres stehen sollte, bislang ist aber noch nichts dazu bekannt.