Energie Transparent 09/2014

Energie Transparent 09/2014

Editorial

 
Liebe Leser von „Energie-Transparent“,
 
vor knapp zwei Wochen hat der designierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seine neue Kommission vorgestellt und die 27 künftigen Kommissare nominiert. In der Rubrik „Energiepolitik“ berichten wir aus diesem Anlass über die Entscheidungen, die für die Energiewirtschaft eine Rolle spielen und über die Personen, mit denen es die deutsche Energiewende künftig zu tun bekommt.
 
In der Rubrik „Energieeffizienz“ berichten wir zum einen über den blauen Brief, den die EU-Kommission der Bundesregierung zugestellt hat. Grund für die Ermahnung ist die Energieeffizienzrichtlinie, nach der sich die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet haben, den Energieverbrauch drastisch zu senken. Bislang wurden die Vorgaben aber nicht in nationales Recht umgesetzt.
Zum Thema Energiesparen zeigen wir zum Abschluss unserer dreiteiligen Serie, wie die Energiekosten im Einzelhandel mit einfachen Maßnahmen reduziert werden können.
 
Abschließend berichten wir unter „meistro und…“ von der Zusammenarbeit mit der GAZU GmbH. Der Betreiber von Tankstellen für regeneratives Gas ist mit seinem starken Bewusstsein für verantwortungsvolle Ressourcennutzung ein idealer Partner für meistro.
 
Viel Freude bei der Lektüre des Newsletters wünscht Ihnen
 
Michael Koch
Unternehmenskommunikation
 
 

Energiepreise

Preisentwicklung Strom und Erdgas

 
Strom: Niedrige Spotmarktpreise, die Waffenruhe in der Ukraine, sowie schwache Preise am Kohle- und CO2 Markt führten im September zu einem grundsätzlichen Abwärtstrend der Strompreise am Terminmarkt. Ausnahmen machten zwischenzeitlich Berichte über eine Verminderung der Gaslieferung aus Russland.
 
Erdgas: Nach einer Seitwärtsbewegung am Anfang des Monats, kam es zeitweise zu gegensätzlichen Bewegungen der einzelnen Jahre. Das Frontjahr 2015 wird am stärksten durch die Ereignisse in der Ukraine beeinflusst.
 
 
 

Energiepolitik

Die neue EU-Kommission steht

 
Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat am 11. September seine zukünftige Kommission vorgestellt: Insgesamt 27 Kommissare aus den 27 Mitgliedsstaaten wurden auf die Ressorts verteilt. Im Hinblick auf die Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Europa und der Bundesrepublik sind insbesondere die drei folgenden Entwicklungen interessant:
 

1. Neues Kommissariat für Energie und Klima

 
Die bislang getrennten Ressorts Klima und Energie werden zusammengelegt. Das neu gestaltete Kommissariat für Energie und Klima soll künftig vom Spanier Miguel Arias Cañete geleitet werden, einem ehemaligen Staatsanwalt der konservativen spanischen Volkspartei (Partido Popular). Seine Nominierung für das Energieressort war im Vorfeld kritisiert worden, weil Cañete noch Anteile an diversen Erdölunternehmen besitzt. Kurz nach seiner Ernennung kündigte er an, alle Beteiligungen verkaufen zu wollen, um auf diese Weise Interessenskonflikte zu vermeiden. Das Europaparlament könnte Cañetes Nominierung nun noch blockieren. Nach Junckers Planung wird Cañete künftig der für die Energieunion zuständigen Vizepräsidentin Alenka Bratušek aus Slowenien unterstehen.
 
Der aus Deutschland abgestellte Günther Oettinger, der bislang auch das Amt des Vizepräsidenten innehatte, verlässt das bisherige Energieressort. In der neuen Kommission wird er als Digitalkommissar eingesetzt.
 

2. Neue Wettbewerbs-Kommissarin

 
Margrethe Vestager aus Dänemark soll neue Kommissarin für Wettbewerb werden. Vestager beerbt damit den Portugiesen Joaquín Almunia, der in der Vergangenheit mit der Bundesregierung intensiv die Ausnahmereglungen für die Industrie beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2014 verhandelt hatte.
 
Vestager ist Mitglied der sozialliberalen Partei "Det Radikale Venstre" und wird in ihrer Arbeit abhängig vom Thema ebenfalls der Kommissions-Vizepräsidentin Bratušek oder dem estnischen Kommissar für den digitalen Binnenmarkt Andrus Ansip unterstellt.
 

3. Die Gestaltung des Kapazitätsmarktes

 
Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) teilte mit, das von Juncker ausgegebene Ziel, "den Energiebinnenmarkt weiter voranzutreiben und den Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt im Sinne der Verbraucher zu stärken" sei ein grundsätzlich positives Signal. Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Kommission wird es sein, die Aktivitäten der EU-Staaten bei der Etablierung von Kapazitätsmechanismen zu koordinieren.
 
Denn neben Frankreich und Belgien planen auch andere EU-Staaten Kapazitätsmaßnahmen oder haben diese wie Großbritannien bereits beschlossen. Zu koordinieren ist hierbei, wie die einzelnen Mitgliedsstaaten ihre Stromversorgung absichern, denn es besteht die Gefahr, dass unterschiedliche und nicht kompatible Konzepte für Kapazitätsmärkte die Situation in anderen EU-Staaten verschlechtern. Auch in dieser Frage wird Kommissions-Vizepräsidentin Bratušek künftig eine zentrale Rolle spielen.
 
 

Energieeffizienz

Deutschland erhält blauen Brief der EU-Kommission

 
Deutschland hat neben 23 weiteren EU-Mitgliedsstaaten einen blauen Brief aus Brüssel zugestellt bekommen. Grund dafür ist ein Vertragsverletzungsverfahren, das eingeleitet wurde, weil die Bundesregierung die Energieeffizienzrichtlinie der EU nicht fristgerecht umgesetzt hat.
 
Laut der Richtlinie sind alle Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, den Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Wert aus dem Jahr 2008 zu senken. Die Frist, die die EU-Kommission für die Umsetzung gesetzt hatte, lief am 5. Juni ab. Die Vorgaben wurden von der Bundesregierung bislang aber nicht in nationales Recht umgesetzt. Geschafft haben das bislang nur Dänemark, Italien, Malta, Schweden und Zypern.
 
Der blaue Brief mit der Ermahnung setzt die Bundesregierung nun weiter unter Druck, die Vorgaben der Energieeffizienzrichtlinie endlich ernst zu nehmen und eine gesetzliche Verankerung voranzutreiben. Bereits im Koalitionsvertrag hatte die neue Regierung festgehalten, dass die Energieeffizienz zentraler Bestandteil der Energiewende werden solle. Passiert ist seitdem allerdings wenig.
 
Dabei ist das Einsparpotenzial gerade im deutschen Mittelstand immer noch immens, wie der MITELLSTANDSVERBUND in einer Reaktion betonte. Der Verband unterstützt 320 Mitgliedskooperationen und deren 230.000 mittelständische Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen bereits seit 2012 erfolgreich beim Energiesparen. Durch eine Teilnahme an dem öffentlich geförderten Projekt "Mittelstand für Energieeffizienz" konnte der Energieverbrauch in mittelständischen Unternehmen bereits um durchschnittlich 30 Prozent gesenkt werden.
 
Nach der Einleitung des Verfahrens hatte Deutschland bis zum 22. September Zeit, eine Stellungnahme abzugeben. Ob dabei aber schon ein konkreter Gesetzesvorschlag vorgestellt wurde, ist noch unklar. Die EU-Kommission muss nun entscheiden, ob sie Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) erhebt. In diesem Fall drohen Deutschland hohe Strafzahlungen.
 
Fragen und Antworten zur Mitteilung zum Thema Energieeffizienz
Projekt „Mittelstand für Energieeffizienz“
 
 

Energiesparserie: Wie der Handel sparen kann

 
Zum Abschluss unserer dreiteiligen Serie rund ums Energiesparen zeigen wir, wie Einzelhändler ihre Energiekosten senken können. Nicht nur die Konkurrenz aus dem Internet macht es vielen Händlern schwer, sondern auch steigende Energiekosten sorgen seit einigen Jahren für immer stärkeren Druck. Nach Angaben des IHK Energieeffizienzblogs gaben in einer Studie unter Handelsunternehmen über 80 Prozent der Befragten an, dass ihre Ausgaben für Energie im Jahr 2013 höher geworden sind. Hauptursache ist dabei vor allem der gestiegene Preis, jedoch verbrauchen viele Geschäfte durch längere Ladungsöffnungszeiten oder aufwendigere Installationen auch mehr Energie. In vielen Handelsgeschäften ist das Potenzial zur Einsparung dabei enorm: Wir zeigen Ihnen, wie Sie es heben.
 

Perfekt in Szene gesetzt und trotzdem gespart

Natürlich sollen Ihre Waren im besten Licht erstrahlen – allerdings macht die Beleuchtung bei vielen Handelsgeschäften über die Hälfte der Energiekosten aus und sollte daher so gut wie möglich eingestellt werden. Nutzen Sie überall dort, wo es geht, die natürliche Beleuchtung: Tageslicht ist nicht nur kostenlos, sondern hat ein weit größeres Farbspektrum als künstliches Licht und wirkt sich damit positiv auf das Einkaufserlebnis der Kunden aus. Es lohnt sich also, nach natürlichen Lichtquellen zu suchen und die bisher genutzten Lösungen zu überprüfen. Viele Schaufenster sind beispielweise auch tagsüber vollständig beleuchtet. Eine Dimmerschaltung oder partielle Beleuchtung ist hier oftmals völlig ausreichend. Gegenüber herkömmlichen Glühbirnen oder Halogenlampen kann mit Hilfe moderner LED-Beleuchtung zusätzlich viel Strom eingespart werden. Weiterer Vorteil der LED-Beleuchtung ist, dass im Gegensatz zu gewöhnlichen Glühbirnen, Halogen- und Energiesparlampen die Farbtemperatur der LED-Lampen reguliert werden kann. Gleichzeitig – betrachtet man die Stromkostenentwicklung der letzten sowie die prognostizierte Entwicklung der kommenden Jahre – amortisieren sich Investitionen in Effizienzmaßnahmen oft schon nach wenigen Jahren.
 

Wärme und Kälte optimal geregelt

Besonders für den Lebensmitteleinzelhandel nimmt das Thema Kühlung oftmals den größten Anteil der Energiekosten ein, weil große Kälteanlagen durchgängig betrieben werden müssen. Am besten ist natürlich, auf moderne Technik zu setzen und möglichst effiziente Anlagen zu nutzen. Aber auch der richtige Umgang mit Gefriergut spart Energie: Bei der Warenlieferung ist darauf zu achten, dass Kühlprodukte unverzüglich eingeräumt werden. Schließlich sollen sie zwar gekühlt, aber nicht runtergekühlt werden. Zudem ist die richtige Beladung der Kühl- und Gefriergeräte wichtig: Eine Überladung oder das Zustellen von Ansaugöffnungen fressen Energie. Nach Angaben des Handelsverband Deutschland sind bis zu 15 Prozent Einsparungen machbar, wenn Truhen regelmäßig gewartet und richtig befüllt werden. Verbreitet sind auch offene Kühltruhen, die keine Glasabdeckung aufweisen. Eine Nachrüstung ist unbedingt zu empfehlen!
Auch Händler, die keine Waren kühlen müssen, sind auf richtige Temperaturen angewiesen. Wer eine Klimaanlage nutzt, sollte nicht nur regelmäßig den Filter reinigen, sondern vor allem darauf achten, dass im Sommer sämtliche Fenster und Türen möglichst geschlossen bleiben – sonst ist der Einsatz der Anlage sinnlos. Dasselbe gilt natürlich für die Heizung im Winter: Achten Sie darauf, dass die Ladentür nicht unnötig geöffnet bleibt. Luftschleusen oder Vorhänge können dazu beitragen, die Temperatur zu halten. Wie bei der Beleuchtung gilt es auch hier, zu prüfen, wann welche Temperatur wirklich nötig ist und sie an die Bedingungen anzupassen.
 

Branchenenergiekonzepte nutzen

Gerade im Einzelhandel, wo viele Betriebe ähnliche Verbräuche aufweisen, lohnt zudem ein Blick in Branchenenergiekonzepte: Ohne eine aufwendige Einzelanalyse durchführen zu müssen, können sich Unternehmer an den Branchenkonzepten orientieren und eigene betriebliche Schwachstellen aufdecken. Hier können Sie neben den bereits aufgeführten Einsparpotenzialen häufig noch weitere Stellen entdecken, an denen eine Überprüfung lohnt.
 
IHK-Effizienzblog
 
 

meistro und…

……die GAZU GmbH

 
meistro beliefert mittlerweile elf Tankstellen des Tankstellenbetreibers GAZU mit klimaneutralem Strom. Acht Stationen des Frankfurter Unternehmens werden bereits seit 2013 versorgt, drei weitere sind nun hinzugekommen – dadurch werden insgesamt rund 224 Tonnen CO2 gegenüber einer konventionellen Energieversorgung auf Basis des deutschen Strommix eingespart.
 
Die GAZU ist Betreiber von Tankstellen für regeneratives Gas, das zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energi¬en gewonnen wird. Der Ausbau der Zusammenarbeit mit meistro ist für das Unternehmen deshalb ein konsequenter Schritt im Hinblick auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt. Gleichzeitig hat die GAZU ebenso wie meistro die soziale Verantwortung im Rahmen der Energiewende erkannt und engagiert sich im Rahmen sozialer Projekte: Für den Bau eines Krankenhauses mit Geburtsstation im Senegal sammelte das Unternehmen Gelder ein und sponsert einen Krankenwagen. meistro begrüßt den Einsatz und beteiligt sich an diesem Engagement.