Energie Transparent 08/2014

Energie Transparent 08/2014

Editorial

 
Liebe Leser von „Energie-Transparent“,
 
nach vielen kleinen Veränderungen ist die EEG-Reform der Bundesregierung doch noch pünktlich zum 1. August in Kraft getreten. In der Rubrik „Energiepolitik“ berichten wir darüber, dass hier noch Handlungsbedarf besteht. Denn das zeigt sich schon jetzt an der eigentlich festgelegten Umlagebeteiligung bei der Eigenstromversorgung. Weil die entsprechende Verordnung noch nicht fertig ist, wurde die Beteiligung bis auf weiteres ausgesetzt.
 
In der Rubrik „Energieeffizienz“ geht es um die Pflicht zum Energieaudit, die das Bundeswirtschaftsministerium auf gesetzlicher Ebene einführen will. Der vorgelegte Diskussionsentwurf geht allerdings über die Ziele der EU-Richtlinie zur Steigerung der Energieeffizienz hinaus. Vor allem der Handel und das Dienstleistungsgewerbe würden ohne fairen Ausgleich wohl zusätzlich belastet.
Außerdem führen wir unsere dreiteilige Serie fort: In der zweiten Folge zeigen wir, wie man in der Produktion Energie sparen kann.
 
Abschließend berichten wir unter „meistro und…“ von der Hüser & Klingenthal GbR. Der Betreiber zweier Cocktailbars mixt die Drinks ab sofort mit klimaneutralem Strom von meistro.
 
Viel Freude bei der Lektüre des Newsletters wünscht Ihnen
 
Michael Koch
Unternehmenskommunikation
 
 

Energiepreise

Preisentwicklung Strom und Erdgas

 
Strom: Ende Juli / Anfang August wechselten sich die Höhen und Tiefen am Terminmarkt ab. Bis zur Mitte des Monats gab es dann kaum größere Ausschläge der Preise. Erst ab dem 20. August führte die Entspannung der politischen Situation in Osteuropa und sinkende Spotmarktpreise zu fallende Preise am Strom Terminmarkt.
 
Erdgas: Trotz der politischen Situation in Osteuropa fielen die Preise nach einem kräftigen Anstieg Ende Juli, zu Beginn des Augustmonats wieder. Ab der zweiten Augustwoche schlug die politische Situation in Osteuropa wieder durch. Risikoaufschläge führten zu einem kräftigen Preisanstieg. Eine Verbesserung der politischen Lage um den 18. August, sowie sinkende Spotmarktpreise und ein schwacher Ölpreis führten zu sinkende Preise am Terminmarkt.
 
 
 

Energiepolitik

Vorerst keine Umlage für Eigenverbrauch trotz EEG-Reform

 
Das „Gesetz zur grundlegenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und zur Änderung weiterer Bestimmungen des Energiewirtschaftsrechts“, wie die aktuelle EEG-Reform offiziell heißt, ist trotz aller Kritik am 24. Juli im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden und am 1. August in Kraft getreten. Die Bundesregierung verabschiedete die Novelle also wie befürchtet im Eiltempo, obwohl es bis kurz vor dem angesetzten Termin noch zahlreiche Änderungen gegeben hatte. Den Abgeordneten blieb in der Hektik kaum Zeit, das Gesetz – immerhin 204 Seiten stark – komplett zu lesen. Mittlerweile ist der Gesetzestext auch öffentlich einsehbar. Nachgelesen werden können die neuen Bedingungen zum Beispiel auf der Seite des Bundesanzeiger-Verlags (siehe unten).
 
Die wichtigsten Punkte: Ab sofort müssen auch Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen ihren Strom direkt vermarkten. Die Einspeisung funktioniert also nicht mehr über eine feste Vergütung. Anlagenbetreiber müssen sich stattdessen einen Partner suchen, der den Strom direkt an der Börse vermarktet. Das ist grundsätzlich ein begrüßenswerter Ansatz, da die Erneuerbaren Energien dadurch besser ins System integriert werden und sich dem freien Wettbewerb stellen müssen. Viele Anlagenbetreiber nutzen die bisher freiwillige Direktvermarktung bereits.
 
Des Weiteren wird mit dem Inkrafttreten der Gesetzesnovelle das Umlagesystem zur Finanzierung des Ausbaus von Erneuerbaren Energien – einem der großen Streitpunkte der Reform – neu geregelt. Vor einer sinnvollen, grundlegenden Reform der EEG-Umlage ist die Bundesregierung zurückgeschreckt, herausgekommen ist nun ein halbherziges Modell, das die eigentlich begrüßenswerte Eigenstromerzeugung weniger attraktiv aussehen lässt. Weil nun auch Eigenversorger an der Umlage beteiligt werden, entsteht die Befürchtung, dass sich die Entscheidung für die Eigenstromerzeugung finanziell nicht mehr rentiert. Dabei lohnt sich der Bau von Photovoltaik-Anlage oder Blockheizkraftwerk in fast allen Fällen noch immer – durch die besonders hohe Effizienz spart die Selbstversorgung auch trotz Umlagebeteiligung erheblich an Kosten und CO2-Emissionen ein.
 
Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass für Eigenverbrauchsanlagen mit einer Leistung ab zehn Kilowatt eine Beteiligung an der EEG-Umlage für den selbst verbrauchten Strom vorgesehen ist. Diese novellierte Umlagepflicht gilt nun auch, allerdings muss das genaue Verfahren zur Messung und Abrechnung noch in einer eigenen Verordnung festgelegt werden. Hier gibt es also zumindest noch ein wenig Aufschub: Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet die Verordnung derzeit noch aus, weshalb die Übertragungsnetzbetreiber nun mitteilten, dass die Eigenverbrauchsumlage bis zum Inkrafttreten der Verordnung nicht erhoben wird. Für diesen Zeitraum würde Betroffenen keine Abschlagsrechnung gestellt. Sobald die entsprechende Verordnung fertig ist, wollen die Netzbetreiber von sich aus über das neue Melde- und Abrechnungsverfahren informieren. Eine Meldung vonseiten der Betreiber ist nicht erforderlich.
 
Die vorläufig und auf unbestimmte Zeit ausgesetzte Umlagepflicht macht deutlich, dass die Bundesregierung die Komplexität der Maßnahme nicht richtig einzuschätzen wusste. Experten hatten vor der Verabschiedung unabhängig von der Kritik, der Entwurf sende falsche Signale, auch vor einem neuen Bürokratiemonster gewarnt.
 
Das Gesetz zur EEG-Reform
Mitteilung der Übertragungsnetzbetreiber zur Aussetzung der EEG-Umlage für Eigenversorger
 
 

Energieeffizienz

Energieaudits sollen für Unternehmen ab 250 Mitarbeiter Pflicht werden

 
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat einen Entwurf vorgelegt, nach dem das Energiedienstleistungsgesetz geändert und zwingende Vorgaben der EU-Energieeffizienzrichtlinie in innerstaatliches Recht umgesetzt werden sollen. Laut dem Diskussionsentwurf sollen Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern verpflichtet werden, sich Energieaudits zu unterziehen. Ausgenommen von der Pflicht sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die bis zu 250 Mitarbeiter beschäftigen und nicht mehr als 50 Millionen Euro im Jahr umsetzen (Bilanzsumme max. 43 Millionen Euro).
 
Die Richtlinie verfolgt das Ziel, die Energieeffizienz in der EU bis 2020 um mindestens 20 Prozent zu steigern. Dabei sollen die einzelnen Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass sich Unternehmen ab der festgelegten Größe einem Energieaudit unterziehen. meistro unterstützt diese Vorgaben, denn die Steigerung der Energieeffizienz ist die wohl wichtigste Antwort auf steigende Energiepreise und CO2-Emissionen.
 
Der Mittelstandsverbund kritisiert allerdings, dass der jetzt vorliegende Diskussionsentwurf die Vorgaben der Richtlinie übersteigt. Denn durch die gesetzliche Verpflichtung werden ausgerechnet jene Branchen belastet, die schon heute maßgeblich an den Kosten der Energiewende beteiligt sind. Ein fairer Ausgleich zur Mehrbelastung ist nicht vorgesehen.
 
Das Audit muss in betroffenen Unternehmen bis Dezember 2015 und danach alle vier Jahre von qualifizierten Experten durchgeführt werden. Die Kosten für ein solches Audit beziffert das BMWi auf durchschnittlich 4.000 Euro. Außerdem muss eine externe Person als Energiebeauftragter ernannt werden, die für das Audit verantwortlich ist.
 
Unternehmen können sich von der Verpflichtung freistellen lassen, wenn sie über ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem verfügen. Dies betrifft aber vor allem das produzierende Gewerbe, weshalb die Verpflichtung wohl vor allem den Handel und Dienstleistungsbranchen treffen würde. Ein Ungleichgewicht entsteht vor allem dadurch, dass sich Industrieunternehmen in der Regel bestimmten Steuern und Abgaben im Energiebereich entziehen können. Vergleichbare Vorteile sind für die zukünftig zusätzlich betroffenen Branchen aber nicht vorgesehen. Hier besteht trotz der richtigen Absichten Handlungsbedarf, um einzelne Wirtschaftszweige nicht auf ungerechte Weise zu belasten. Geht der Entwurf nach der Vorstellung des Bundeswirtschaftsministeriums durch, dürfte hier erhebliches Konfliktpotenzial entstehen.
 
 

Energiesparserie: So sparen Sie Energie in der Produktion

 
In einer dreiteiligen Kurzserie stellen wir Ihnen an dieser Stelle Energiespartipps vor. Heute ist die Produktion dran.
 

Ein Drittel der gesamten Energie wird in Deutschland als Wärme oder Strom zum Betrieb von Anlagen und der Herstellung von Gütern und Produkten genutzt. Effektive Energienutzung wird für das produzierende Gewerbe immer wichtiger, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Deutsche Energie Agentur (dena) hat errechnet, dass das größte Einsparpotenzial in der Industrie im Bereich der Beleuchtung liegt. Hier gilt, wie auch in anderen Branchen: Investieren Sie in moderne Beleuchtungskonzepte!


 

Beleuchtung optimieren

Laut der dena kann der Energiebedarf für Beleuchtung in der Industrie um bis zu 70 Prozent gesenkt werden. Gespart wird vor allem dadurch, dass die Menge der Leuchten überprüft und reduziert wird. Alte Leuchtstoffröhren werden als Energiefresser häufig übersehen und beleuchten Werkshallen oftmals nicht optimal. Neue, energiesparende Lampen erzeugen besseres Licht und halten zudem deutlich länger. Auch die Höhe der Beleuchtung sollte überprüft und gegebenenfalls an hohe Decken angepasst werden. Außerdem sollten Sie überlegen, wie lange das Licht tatsächlich angeschaltet sein muss. Nebenräume und Lagerflächen, die nicht ständig genutzt werden, sollten mit Bewegungsmeldern ausgestattet werden, so dass unnötiger Stromverbrauch eingedämmt wird.
 

Anlagen prüfen

Leistungsstarke Software kann heute dazu beitragen, Steuerungs- und Regelungsprozesse so zu optimieren, dass Energie genau „dosiert“ und zielgerichtet eingesetzt werden kann. Zudem lässt sich auch durch stromsparende Hardware wie effiziente Prozessoren viel Energie sparen – hier unterscheidet sich die Produktion nicht von Büros. Vor allem kommt es darauf an, frei werdende Energie intelligent zu nutzen. So kann beispielweise die Abwärme einzelner Maschinen zur Erwärmung von Reinigungsbädern oder der Erzeugung von Kälte genutzt werden. Die Sparmöglichkeiten reichen von gering bis beachtlich: Eine Wärmerückgewinnung von beheizter Gebäudeluft kann eine Heizkostenersparnis von 20-30 Prozent erzielen, eine Abwärme-Nutzung in einer Druckerei sogar einen Heizwärme-Überschuss erwirtschaften. Je nach Gebäude und Unternehmen kann sich eine Investition in eine Wärmerückgewinnung innerhalb weniger Jahre amortisieren. Um jährlich mehrere tausend Euro an Energiekosten durch Abwärmenutzung zu sparen, muss eine Fabrik sehr genau untersucht, berechnet und anschließend umgebaut werden. Orientierung bietet hier beispielsweise das bundesweite Energieeffizienz-Berater-Netzwerk.
 

Förderung nutzen

Oftmals wiegen die Investitionskosten für Energiesparmaßnahmen in der Produktion hoch, allerdings zahlen sie sich langfristig aus. Zudem gibt es unterschiedliche Fördermaßnahmen: So unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium ausgewählte deutsche Unternehmen, die zum Beispiel Produktionsprozess- und Produktionsverfahrensumstellungen auf energieeffiziente Technologien vornehmen oder die Abwärmenutzung vorantreiben. Die Förderung kann bis zu 20 Prozent der unmittelbar auf den Umweltschutz bezogenen Investitionskosten betragen.
Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet verschiedene Förderprodukte, die Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Energieeffizienzmaßnahmen unterstützen können. Hier können mittelständische Unternehmen auch einen Zuschuss für eine Energieberatung beantragen und damit einen Überblick über mögliche Investitionen erhalten.
 
Energieeffizienz-Berater-Netzwerk
Fördermaßnahmen Bundeswirtschaftsministerium
Förderprodukte der KfW
 
 

meistro und…

…die Hüser & Klingenthal GbR

 
Seit Anfang des Jahres bezieht die Hüser & Klingenthal GbR klimaneutrale Energie von meistro. Die Betreibergesellschaft des „Bambi“ und des „Weekend“, zwei Cocktailbars mit Restaurant in Paderborn, reduziert durch den Bezug von 22.000 kWh CO2-freiem Strom und über 225.000 kWh klimaneutralem Erdgas seine CO2-Bilanz um 57 Tonnen gegenüber einem konventionellen Energieanbieter. Um diese Menge zu kompensieren, müssten 5.100 Fichten oder ein Wald von knapp 1.200 qm Größe gepflanzt werden – das entspricht der Größe von eineinhalb Handballfeldern.
 
Auch in der Gastronomie ist Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Aspekt geworden, weshalb Hüser & Klingenthal gezielt auf die klimaneutrale Energie von meistro setzt. Zudem profitiert das Unternehmen von den günstigen Konditionen – ein doppelter Gewinn.
 
Berechnung der CO2-Emissionen