Energie Transparent 05/2014

Energie Transparent 05/2014

Editorial

 
Liebe Leser von „Energie-Transparent“,
 
obwohl die Einspeisung der regenerativen Energien wie geplant zunimmt, fehlt noch immer ein zukunftsfähiges Marktdesign, um die Energieversorgung von konventionellen Großkraftwerken und strategischen Reserven unabhängig zu machen. Der steigende Ökostromanteil-Anteil lässt Kohlekraftwerke zwar unrentabel werden, ein Vorteil ist das aber nur bedingt: Die daraus resultierenden Stilllegungen nähren die Befürchtungen, die Stromversorgung könnte nicht zu jeder Zeit gewährleistet werden. Zudem werden alte Braunkohlekraftwerke wieder rentabel – auf Kosten der Umwelt. In der Rubrik Energiemarkt erklären wir Ihnen, warum neue Reservekraftwerke aber dennoch nicht gebraucht werden.
 
Die effiziente Nutzung von Energie ist einer der wichtigsten Faktoren für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Auf die Unternehmen kommen durch die Ökostrom-Umlagen immer höhere Kosten zu und das Thema gewinnt aus unternehmerischer Sicht zunehmend an Bedeutung. In der Rubrik Energieeffizienz stellen wir Ihnen diesen Monat die Ergebnisse einer Studie des Mittelstandsverbunds ZGV vor. Ergebnis: In allen Branchen gibt es noch erhebliche Einsparpotenziale – die trotz des enormen unternehmerischen Vorteils leider immer noch nicht ausgereizt werden.
 
Abschließend berichten wir Ihnen unter „meistro und…“ von unserem neuen Kundenportal, das ab sofort in vollem Umfang verfügbar ist. Mit neuer Benutzeroberfläche hilft das Tool dabei, mit wenig Aufwand die volle Kosten- und Verbrauchskontrolle zu behalten.
 
Viel Freude bei der Lektüre des Newsletters wünscht Ihnen
 
Michael Koch
Unternehmenskommunikation
 
 

Energiepreise

Preisentwicklung Strom und Erdgas

 
Strom: Ein kurzfristiger Aufwärtstrend ging zu Beginn des Monats wieder in einem Seitwärtstrend über. Im weiteren Verlauf fielen die Preise zwischenzeitlich auf ein neues Allzeittief. Dieses Niveau hielt bis zum Ende des Monats an.
 
Erdgas: Befürchtungen einer Gaslieferunterbrechung aufgrund der Situation in der Ukraine führten zu Spannungen am Terminmarkt zu Beginn des Monats. Darüber hinaus wurde die Terminmarktkurve auch durch das vereinbarte Gasgeschäft zwischen Russland und China beeinflusst.
 
 
 

Energiemarkt

Stromengpässe: Deutschland braucht keine neuen Reservekraftwerke

 
Eine der größten Befürchtungen bei der Umsetzung der Energiewende war stets, dass der Strom knapp werden könnte, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Der Tenor lautete: Je mehr die Einspeisung alternativer Energien vorangetrieben wird, desto unsicherer werde die Stromversorgung in Deutschland. Und um die Versorgung letztendlich zu gewährleisten, müssen Reservekraftwerke herhalten.
 
Reservekraftwerke laufen nicht im Regelbetrieb, sollen bei Engpässen aber schnell aktiviert werden können. In Deutschland sind das vor allem mit fossilen Brennstoffen betriebene Werke – also Kohle- oder Gaskraftwerke – die eigentlich stillgelegt werden sollten. Statt sie aber völlig abzuschalten, werden sie in die sogenannte Kaltreserve gestellt. Wenn es an Stromkapazitäten fehlt, können sie kurzfristig in Betrieb genommen werden.
Engpässe in der Energieerzeugung werden – paradoxerweise – eher dadurch erzeugt, dass beispielsweise zu viel Wind weht: Weil immer mehr alternative Energie produziert wird, fallen zu bestimmten Zeitpunkten der Überproduktion am freien Markt die Preise. Niedrige Preise aber lassen die unflexiblen konventionellen Großkraftwerke unrentabel werden, denn diese können sich nur schlecht auf den sich verändernden Produktionsumfang der alternativen Erzeuger einstellen. Die Folge ist, dass viele Betreiber konventioneller Kraftwerke die Stilllegung beantragen, was in vielen Fällen noch profitabler ist, als sie für die Kaltreserve zu erhalten: Denn gezahlt wird am liberalisierten Strommarkt nur für tatsächlich gelieferte Energie, nicht aber für die Vorhaltung von Kapazitäten.
 
Auf diese Weise wächst die Befürchtung, dass Photovoltaikanlagen und Windparks den Strombedarf – abhängig von Wetter und Jahres- bzw. Tageszeiten – nicht sicher decken können, wenn gleichzeitig neben den Kern- nun auch die Kohlekraftwerke reihenweise vom Netz gehen. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) bereitet sich deshalb schon auf den theoretischen Fall vor, dass die Übertragungsnetzbetreiber in der näheren Zukunft den Neubau von Reservekraftwerken beantragen. Das könne nur die teuerste ultima ratio sein, wenn Netzstabilität und Versorgungssicherheit ernsthaft gefährdet seien. Jede andere Lösung sei vorzuziehen – zum Beispiel die Sicherung von Reserveleistungen.
 
Am wichtigsten ist jedoch, möglichst zügig einen zukunftsfähigen und umfassenden Kapazitätsmarkt einzuführen. Nur die Schaffung eines solchen Marktdesigns kann verhindern, dass eine strategische Reserve gebraucht oder gar der Neubau von Reservekraftwerken gefordert wird. In der Analyse der Bundesnetzagentur hat sich gezeigt, dass es in keinem der betrachteten Szenarien Sinn macht, einen Neubau von Reservekraftwerken zu veranlassen, die im Markt nicht agieren dürften und nach erfolgtem Netzausbau wieder abgerissen werden müssten.
 
 

Energieeffizienz

Großes Einsparpotenzial im Handel

 
Der Mittelstandsverbund ZGV hat in einer Studie zur Energieeffizienz in mittelständischen Unternehmen aufgezeigt, dass in vielen Branchen große Potenziale liegen, den Energieverbrauch zu reduzieren und damit erhebliche Kosteneinsparungen zu erzielen.
Die Untersuchung ermittelte die derzeitige Situation sowie die Einsparmöglichkeiten von Unternehmen aus unterschiedlichen Handelsbranchen, wie Apotheken und verschiedene Einzelhändler. Dabei stellen die Autoren fest, dass der durchschnittliche Energieverbrauch im Lebensmitteleinzelhandel am höchsten ist, was sich auch in den spezifischen Energiekosten pro Quadratmeter beheizter Grundfläche niederschlägt. Den Lebensmittelhändlern folgen der Elektronikeinzelhandel, die Apotheken sowie der Sportartikel- und der Modeeinzelhandel.
 
Die größten Einsparpotenziale – bezogen auf die beheizte Fläche – sieht die Studie bei den Apotheken, gefolgt von Elektronik-, Mode- und Sportartikeleinzelhandel. In diesen Branchen können demzufolge mit den entsprechenden Maßnahmen jeweils um die 30 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden. Im Lebensmitteleinzelhandel ist dieser Wert etwas geringer, was zum einen mit energieintensiven Verbrauchsstrukturen begründet werden kann. Auf der anderen Seite sind in dieser Branche die Aktivitäten für einen energieeffizienten Verbrauch am stärksten ausgeprägt.
 
Die Belastungen der EEG-Umlage kommen insbesondere bei den Lebensmittelhändlern zum Tragen, wirken sich aber auch in anderen Branchen spürbar aus. Durch die Subventionierung der erneuerbaren Energien entstehen erhebliche Kosten, die es für Unternehmen erforderlich machen, sich betriebswirtschaftlich mit dem Energieverbrauch auseinanderzusetzen. Eine der Kernaussagen ist hierbei, dass sich durch die Umsetzung entsprechender Maßnahmen die Mehrbelastung mehr als nur kompensieren ließe: In allen untersuchten Branchen liegen die Einsparpotenziale derzeit über den zusätzlichen Kosten, die die Energiewende einfordert. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, lässt sich allerdings nur schwer verallgemeinern, weil Voraussetzungen und Anforderungen von Händler zu Händler unterschiedlich sind. Um Potenziale im Detail aufzuzeigen empfehlen sich staatlich geförderte Verbrauchsanalysen im Zuge einer professionellen Beratung.
 
Aus einzelwirtschaftlicher Sicht ist die Steigerung von Energieeffizienz mittlerweile zu einem wesentlichen Faktor geworden. Größtes Hindernis ist – noch immer – die Scheu der Unternehmen vor dem Schritt in Energiesparkonzepte und –maßnahmen zu investieren. Dies hängt in der Praxis nach wie vor mit kostengetriebenen Faktoren zusammen: Die direkten Investitionskosten überwiegen die kurz- und langfristigen Vorteile in der strategischen Planung. Der deutsche Handel läuft dadurch Gefahr, im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen zu geraten.
 
 

meistro und…

…das neue Kundenportal

 
Anfang des Jahres haben wir Ihnen unseren neuen Webauftritt präsentiert. Mittlerweile sind wir noch einen Schritt weiter: auch das Kundenportal erstrahlt nun in neuem Glanz. Das Online-Portal erleichtert den Zugang zu Rechnungen und anderen Unternehmensdaten und ist darüber hinaus ein hilfreiches Tool, mit dem Sie über eine optimierte Benutzeroberfläche selbständig die Kontrolle über den Verbrauch und die Kosten behalten.
 
Über das Kundenportal lassen sich anhand von Auswertungen beispielsweise leicht Stromfresser identifizieren oder die Ursachen für besondere Verbrauchsspitzen herausfinden. So können gezielt Energieeffizienzmaßnahmen getroffen werden, um damit hohen Kosten entgegen zu steuern. Zudem wird schnell ersichtlich, wie sich der Verbrauch über die Monate entwickelt, und ob die getroffenen Sparmaßnahmen den gewünschten Effekt erbringen. In der Überwachung kann ein maximaler Verbrauchswert festgelegt werden, sodass dem Unternehmen automatisch gemeldet wird, wenn in der Planung etwas nicht stimmt oder bestimmte Geräte zu viel Strom verbrauchen. Natürlich können Sie auch direkt Ihre Zählerstände ins Portal eintragen.
 
Mit diesen Neuerungen machen wir den Energieverbrauch noch transparenter und geben Ihnen ein Steuerungsinstrument an die Hand, um aktiv gegen einen zu hohen Stromverbrauch und damit hohe Kosten vorzugehen. Ein Überblick über das Kundenportal und die Registrierung finden Sie hier (PDF, 2,8 MB). Die Anmeldung erfolgt ganz einfach über Kunden- und Zählernummer. Das Kundenportal finden Sie wie gewohnt auf unserer Webseite.