Energie Transparent 01/2014

Energie Transparent 01/2014

Editorial

 
Liebe Leser von „Energie Transparent“,
 
zum Auftakt des neuen Jahres präsentierte der neue Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel seine Reformpläne für die Energiewende. In unserer Rubrik „Energiepolitik“ setzen wir uns mit den geplanten Änderungen des Eckpunktepapiers auseinander.
 
In einem zweiten Beitrag zum Thema Energiepolitik präsentieren wir Ihnen die Ergebnisse des jährlich erhobenen „KfW-Mittelstandspanel“, die zeigen, dass die Energiewende bei vielen Mittelständlern bereits angekommen ist. So hat jeder dritte Mittelständler innerhalb der letzten drei Jahren Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz oder zur Einsparung von Energiekosten durchgeführt – dennoch liegt auch hier noch viel Potenzial verborgen.
 
Zuletzt erfahren Sie im Bereich „Energiemarkt“, warum der Monitoringbericht von Bundesnetzagentur (BNetzA) und Bundeskartellamt (BKartA) viel Kritik an den Verteilnetzbetreibern übt und was für die Energiewende noch getan werden muss.
 
Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen
Mike Frank
 
 
 

Energiepreise

Preisentwicklung Strom und Erdgas

 
Strom: Auch zu Beginn des Monats Januar hielt der langfristige Abwärtstrend an. Zur Mitte des Monats zogen dann die Preise an. Hoher Verkaufsdruck ließ den Preis zum Ende des Monats wieder fallen.
 
Erdgas: Auch die Erdgaspreise sanken von Dezember bis in die erste Januarhälfte stetig ab. Die Ankündigung einer Kältewelle und die Informationen zur Förderreduktion am Groningenfeld verursachten einen Preissprung. Dieser flachte allerdings im Verlauf wieder ab.
 
 
 
 

Energiepolitik

EEG-Reform soll kommen

 
Der neue Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel will die Ökostrom-Förderung reformieren. Dafür billigte das Kabinett im Rahmen der Klausurtagung in Meseburg kürzlich ein Eckpunktepapier. Schon Anfang August könnte das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dann in Kraft treten. Das Eckpunktepapier sieht dabei in unterschiedlichen Bereichen Veränderungen vor.
 
Demnach sollen Neuanlagenbetreiber verpflichtet werden, ihren Strom direkt zu vermarkten. Bereits ab dem kommenden Jahr soll die Marktprämie, die die bisherige Einspeisevergütung ersetzt, für Anlagen ab 500 Kilowatt verpflichtend gelten. Diese Schwelle soll bis zum Jahr 2017 sukzessive auf 100 Kilowatt gesenkt werden. Durch die Direktvermarktung wird sichergestellt, dass sich Solar- und Windanlagen beim Stromproduzieren stärker an der Nachfrage ausrichten. Durch die Streichung der festen Einspeisetarife könnten Kosten somit mittelfristig gesenkt werden. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter e.V. (bne) beurteilte die eingeschlagene Richtung grundsätzlich als positiv. Des Weiteren begrüßt der bne den Vorschlag, die Netzintegration von erneuerbaren und fossilen Energien über das Energiewirtschaftsgesetz zu regeln. Jedoch drängt der Verband darauf, das Projekt Netzausbau schneller in Angriff zu nehmen.
 
Kritisch beurteilt meistro vor allem die geplanten Änderungen bei der Eigenstromproduktion von Gewerbetreibenden: Für bereits bestehende Solaranlagen und KWK-Anlagen zur Eigenstromerzeugung sehen die Beschlüsse eine EEG-Umlage in Höhe von einem Cent je Kilowattstunde vor. Für Neuanlagen bei Gewerbeimmobilien sollen sogar 90 Prozent EEG-Umlage bezahlt werden, wenn der Strom im eigenen Haus verbraucht wird.
 
 

Mittelstand setzt auf mehr Energieeffizienz

 
Laut einer Untersuchung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat in den letzten zwei Jahren jeder dritte Mittelständler Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz oder zur Einsparung von Energiekosten durchgeführt. Als Hauptgrund nannten die im Rahmen des jährlich erhobenen „KfW-Mittelstandspanel“ untersuchten Unternehmen die erwarteten Energiekosteneinsparungen. Vor dem Hintergrund, dass bei jedem fünften kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) der Anteil für Energie am Gesamtkostenanteil bei mindestens 10 Prozent liegt, überraschen die Investitionen wenig. Dennoch haben in den letzten drei Jahren auch rund zwei Millionen KMU, keine Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt. Vor allem kleinere Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern hinken bei den Investitionen hinterher.
 
Häufigste Maßnahmen zur Kosteneffizienz ist der Wechsel des Energieversorgers oder die Veränderung von bestehenden Lieferverträgen. Hier zeigen sich kaum Unterschiede zwischen kleinen und größeren Betrieben. Bei der Investition in verbesserte Energieeffizienz von betrieblichen Gebäuden oder Produktionsanalagen und Geräten führen jedoch deutlich die großen KMU mit mehr als 50 Mitarbeitern. Auch Energieberatungen werden hier fast viermal häufiger in Anspruch genommen als von kleinen Unternehmen.
 
Um ihre „eigene Energiewende“ weiter nach vorne zu treiben, wünschen sich die KMU mit hohem Energieverbrauch von der Politik eindeutige und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen. 45 Prozent aller Unternehmen wünschen sich aber auch eine Verbesserung der Beratungs- und Informationsangebote, knapp 40 Prozent wollen Steueranreize für die Investition in energieeffizientere Technik.
 
 

Energiemarkt

Wettbewerbsverzerrung durch Verteilnetzbetreiber

 
Mit dem Monitoringbericht 2013 haben die Bundesnetzagentur (BNetzA) und das Bundeskartellamt (BKartA) im vergangenen Monat die Entwicklungen auf den Elektrizitäts- und Gasmärkten und -Börsen untersucht. Darin wird angemerkt, dass ein großer Anteil der Verteilnetzbetreiber immer noch ihre Pflicht vernachlässigt, sich markenrechtlich von ihren verbundenen Vertrieben abzugrenzen. Bei der Hälfte der Netzbetreiber mangelt es laut des Berichts an einer unverwechselbaren Markenpolitik, die im Außenauftritt eindeutig zwischen Netz und Vertrieb unterscheidet. Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne), fordert daher: „Für Kunden muss klar sein, wo das Netz aufhört und der Vertrieb anfängt. Diese massive Wettbewerbsbehinderung muss endlich unterbunden werden. Dass Verteilnetzbetreiber diese Verpflichtung noch nicht umgesetzt haben, ist indiskutabel.“
 
Der bne übt zudem an dem Ergebnis Kritik, dass die Verteilnetzlandschaft weiter stark zersplittert ist: Der Anteil der Verteilnetzbetreiber mit unter 100.000 angeschlossenen Kunden liegt dem Bericht zufolge auf über 90 Prozent. „Eine derart stark zersplitterte Verteilnetzlandschaft ist nicht Energiewende-ready“, so Busch. Effiziente Netzstrukturen sind als Plattform für intelligente wettbewerbliche Lösungen, die Verbraucher von der Energiewende profitieren lassen, essentiell.