Kochen für das Klima mit den Ofenmachern

Wie die Ofenmacher mit meistro pro Jahr 100 Tonnen CO2 in Nepal einsparen

Essen kochen – in Europa bedeutet das, einen Topf auf den Elektro- oder Gasherd zu stellen, die Dunstabzugshaube anzuwerfen und in wenigen Minuten steht die Mahlzeit auf dem Tisch. Während hierzulande der Streit um den anschließenden Abwasch meist das größte Problem darstellt, ist das Kochen in anderen Regionen der Welt, wie in Nepal oder auch in Afrika mit ernsteren Folgen verbunden. Denn dort bereiten die Menschen ihre Mahlzeiten überwiegend noch an offenen Feuerstellen in ihren Hütten zu. Die gesundheitlichen Konsequenzen sind oft gravierend: Zum einen leiden die Bewohner der Hütten durch die starke Rauchentwicklung mit giftigen Gasen überdurchschnittlich oft an Atemwegs- oder Lungenerkrankungen, Augenreizungen oder Gefäßleiden. Zum anderen werden die ungesicherten Feuerstellen neben den kochenden Frauen vor allem Kleinkindern zum Verhängnis, die mit den Flammen in Kontakt kommen und schwere Brandwunden davontragen. Laut WHO kommen auf 1.000 offene Feuerstellen pro Jahr ein Todesfall und zwei schwere Brandunfälle bei Kindern unter sechs Jahren. Insgesamt sterben jährlich 4,3 Millionen Menschen vorzeitig, weil sie dauerhaft dem Rauch einer offenen Feuerstelle ausgesetzt sind.

Neue Öfen braucht das Land
Nachdem sie auf einer Nepalreise im Jahr 2010 selbst viele Kinder mit Brandnarben Unfällen mit den Feuerstellen gesehen hatte, beschloss Katharina Dworschak, selbst etwas gegen die Missstände zu unternehmen. Zusammen mit einigen Arbeitskollegen gründete die Physikerin und Ärztin den gemeinnützigen Verein Ofenmacher e.V., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die offenen Feuerstellen in den Hütten der armen Landbevölkerung Nepals durch rauchfreie Küchenöfen aus Lehm zu ersetzen. „In Zusammenarbeit mit einheimischen Ofenbauern vor Ort haben wir bis heute über 50.000 Lehmöfen in Nepal gebaut“, berichtet Vereinsmitglied Dr. Reinhard Hallermayer. Die simplen Kochstellen werden aus günstigen Materialen vor Ort gebaut: So entstehen die Ziegel aus Lehm, Dung und Reisschalen. Nach dem Trocknen werden sie von einheimischen Ofenbauern mit einem Rauchabzug nach außen in die Hütten gemauert. Ein Ofen kostet nur zehn Euro und hilft nicht nur den Hüttenbewohnern selbst, sondern auch der Umwelt: Mit den neuen Öfen können die Menschen effizienter kochen und benötigen nur noch halb so viel Brennholz wie zuvor. Nepals Wälder werden geschont, was wiederum dem Wasserhaushalt und der Biodiversität des Landes zu Gute kommt.
Zertifikathandel mit humanitärem Mehrwert
Durch den geringeren Holzverbrauch stoßen die neuen Öfen zudem rund 50 Prozent weniger CO2 aus, was Reinhard Hallermayer 2011 auf eine Idee brachte: „Immer mehr Unternehmen engagieren sich im Umweltschutz und möchten klimaneutrale Energie nutzen oder eigene Emissionen über Zertifikate ausgleichen. Warum also nicht auch unseren Verein als Klimaschutzprojekt ausweisen und mit dem Geld auch noch Gutes tun?“ Das Projekt der Ofenmacher wurde bei der Non-Profit-Zertifizierungsorganisation Gold Standard Foundation anerkannt und erfüllt damit die weltweit strengsten Standards für Emissionsminderungszertifikate. Im Rahmen des Gold-Standard-Klimaschutzprojekts haben die Ofenmacher bisher über 8.000 Tonnen CO2 eingespart. Die gesamten CO2-Einsparungen durch solche Öfen in Nepal liegen bereits bei mehr als 60.000 Tonnen.
Auf der Suche nach Unterstützern stieß Hallermayer auch auf meistro als Anbieter für klimaneutrale Energie: „Ich stellte bei Recherchen fest, dass meistro den CO2-Ausstoß des gelieferten Erdgases über Emissionszertifikate ausgleicht. Nachdem das Unternehmen in meiner Heimatstadt Ingolstadt angesiedelt ist, bin ich einfach auf meistro zugegangen und habe ihnen die Arbeit unseres Vereins vorgestellt.“ Angesichts des zusätzlichen humanitären Aspekts des Klimaschutzprojekts und den höchsten Standards bei den Zertifikaten der Ofenmacher war keine große Überzeugungsarbeit nötig. Seit November 2016 unterstützt meistro das Projekt und kompensiert jährlich 100 Tonnen CO2 über Emissionszertifikate der Ofenmacher. „Es freut mich sehr, wenn sich Unternehmen wie meistro bei uns engagieren. Unternehmen wollen ihre Zertifikate oft nur zu einem besonders günstigen Preis am Markt kaufen. Umso toller finde ich es, wenn sie bereit sind, für den Mehrwert von Projekten wie dem unseren auch etwas höhere Preise in Kauf zu nehmen. Mit dem Erlös aus den Zertifikaten für meistro können wir aktuell pro Jahr 140 zusätzliche Lehmöfen bauen“, erklärt Reinhard Hallermayer. Er hofft, dass sich langfristig noch mehr Kunden von meistro für eine Kompensation über die Ofenbauer entscheiden, um die wichtige Arbeit in Nepal ausbauen zu können.

Alles auf Anfang in Nepal und erste Schritte in Äthopien und Kenia
An Aufgaben fehlt es dem Verein mit seinen mittlerweile 66 Mitgliedern nicht. Vor allem das verheerende Erdbeben in Nepal im Jahr 2015 stellte einen großen Rückschlag dar. Im Gebiet, das für das Klimaschutzprojekt relevant ist, wurden zwischen 70 und 90 Prozent der dortigen Hütten zerstört – und mit ihnen die Öfen. Das Klimaschutzprojekt wurde deshalb auch zunächst für zwei Jahre ausgesetzt, erklärt Reinhard Hallermayer. „Der Bau neuer Öfen geht nur Hand in Hand mit dem Wiederaufbau der Häuser. Die nepalesische Regierung hat zwar bereits finanzielle Mittel für die Betroffenen zur Verfügung gestellt, aber es wird noch einige Jahre dauern, bis unter den Bedingungen eines armen Entwicklungslands alle zerstörten Häuser neu errichtet sind.“ In den letzten Jahren orientierten sich die Ofenmacher auch in Richtung Afrika und starteten in Äthiopien und Kenia erste Ofenprojekte.  Dort wurden bereits erste einheimische Ofenbauer ausgebildet und 2017 soll die Zahl der eingebauten Öfen in Afrika erstmals die Tausendergrenze überschreiten. Für die kommenden Jahre wollen sich die Ofenmacher auf ihre existierenden Projektgebiete konzentrieren, denn die finanziellen Grenzen ebenso wie die Kapazitäten der Vereinsmitglieder sind eng begrenzt. Alle Mitglieder von Ofenmacher e.V. arbeiten in Deutschland ehrenamtlich, damit die Spendengelder in vollem Umfang in die Ofenprojekte gesteckt werden können. Umso wichtiger ist die Unterstützung durch Privatpersonen oder Unternehmen wie meistro.
 
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